Mittelständische Betriebe sehen sich wie alle Unternehmen deutlich spürbar mit einer Reihe interner und externer Faktoren konfrontiert, die im Zuge von Planung und Umsetzung der Personalbeschaffung berücksichtigt werden müssen. Bedeutende externe Bedingungen (welche gleichsam kaum direkt beeinflussbar sind) sind etwa der demographische Wandel, der in einigen Branchen gravierend spürbare Fach- und Arbeitskräftemangel sowie gesetzliche Vorgaben, wie etwa das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz oder die mögliche Einführung einer Frauenquote. Neben diesen erschwerenden Rahmenbedingungen kommen jedoch auch interne Trends hinzu, vor denen die Unternehmen nicht länger die Augen verschließen können: Mitarbeiterbindung, Employer Branding und Alignment, also die Abstimmung zwischen Personalmarketing und den jeweiligen Fachabteilungen sind die drei „heißen Eisen“.

Bei der Frage, wie diese Probleme am effektivsten angegangen werden können, welche Wege im Recruiting gegangen und welche Instrumente im „War of Talents“ tatsächlichen Erfolg versprechen, ist in letzter Zeit ein Stichwort vermehrt zu hören: Mobile Recruiting. Mobile Recruiting? Ja, das ist tatsächlich noch einmal etwas anderes als Personalbeschaffung mittels Xing, Facebook und Co. Auch wenn sich aktuellen Zahlen zufolge nur ein Bruchteil der Personaler im deutschen Mittelstand ernsthaft mit der mobilen Ansprache potentieller Bewerber beschäftigt, scheint hier ein Instrument in der Pipeline zu warten, das ungeheures Potential entwickeln kann. Zumindest entwickelt es sich zu einem ersten Entscheidungskriterium für die Generation Y.

Der mutlose Mittelstand

Vom deutschen Mittelstand ist man Zurückhaltung ja gewohnt. In puncto Recruiting ist das aber die völlig falsche Herangehensweise! Gerade frisch erschienen ist dazu die Studie „Recruiting Trends 2015“ vom Centre of Human Resources Information Systems der Universität Bamberg und der Bewerbungsplattform Monster. Hier wurden unter anderem mittelständische Betriebe mit den Top-1000-Unternehmen verglichen – und es bestätigt sich das Bild, welches für KMU zunehmend zum ernsten Problem wird: Wirkliche Recruiting Trends im Mittelstand sucht man vergeblich. So beziffert sich die Nutzung von Social Media Lösungen etwa für Stellenanzeigen, Image Werbung auf Facebook oder die aktive Bewerbersuche auf magere 11 Prozent. Bei den Top-1000-Unternehmen sind es 28 Prozent.

Recruitingmobile

Datenquelle: CHRIS/ Monster: Recruiting Trends im Mittelstand 2015

Besonders hat uns der Punkt Mobile Recruiting interessiert. Wie ist der deutsche Mittelstand hier aufgestellt? Sie werden es erahnen: Nicht wirklich besser. Das Zögern im Einsatz von Social Media setzt sich bei der Ausrichtung auf die zunehmende Nutzung von mobilen Endgeräten wie Tablets und Smartphones bei der Personal- und Jobsuche fort. Während die Relevanz von Mobile Recruiting bei Großunternehmen als sehr hoch eingeschätzt wird, hat sich die Einstellung zum Thema in KMU zwar zum Positiven verändert – dennoch bieten gegenwärtig nur 1,6 Prozent der mittelständischen Unternehmen optimierte Apps für mobile Endgeräte an, die für die Suche nach freien Stellen genutzt werden können. Lediglich 7,7 Prozent haben die Darstellung ihrer Karriere-Webseite und Online-Stellenanzeigen entsprechende Geräte optimiert.

Diese Ergebnisse sind in zweierlei Hinsicht fatal. Zum einen scheint zumindest ein Minimum an Bewusstsein für diesen Trend bei den Mittelstands-Personalern angekommen zu sein. Immerhin antworten 40 Prozent der Befragten auf die Frage, ob sich Kandidaten zukünftig über mobile Endgeräte bewerben werden, mit Ja. Weiterhin sind 18,5 Prozent der Meinung, dass das klassische Anschreiben aufgrund der verstärkten Nutzung mobiler Endgeräte an Bedeutung verlieren wird.

Der zweite Aspekt bezieht sich auf die Bewerber selbst: Das Institut für Personalwirtschaft der Ludwigs-Maximilians-Universität München und Absolventa Jobnet haben 580 Studenten, Absolventen und Young Professionals zu ihrem Bewerbungsverhalten befragt und die Ergebnisse in ihrer „Generation Mobil“-Studie veröffentlicht. Während ganze 97 Prozent davon überzeugt sind, dass Mobile Recruiting in Zukunft eine immer zentralere Rolle im Bewerbungsprozess spielen wird, sind bereits mehr als die Hälfte (55 Prozent) via mobiles Endgerät auf entsprechende Stellenanzeigen aufmerksam geworden – wenn sich auch nur 13 Prozent von ihnen tatsächlich darüber beworben haben. Dennoch nutzen immer mehr diese neuen Wege zur Jobsuche und wenn man sich dann vor Augen hält, dass kaum ein Mittelständler in diesem Bereich aufgestellt ist, weiß man, welche Konsequenzen das haben wird. In Zeiten, in denen sich die Generation Y ihre Arbeitgeber fast nach Belieben aussuchen können, ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, eine übers Smartphone gefundene Stellenanzeige nochmals vom heimischen PC aus abzurufen.

Benefit für eine attraktive Arbeitgebermarke

Abschließend möchten wir auch den positiven Einfluss auf die Arbeitgebermarke nicht verschweigen. Hier zeigt sich, dass es sich für KMU gleich doppelt lohnt, auf Mobile Recruiting zu setzen. 85 Prozent der befragten Absolventen wünschen sich mobil-optimierte Unternehmensinformationen, 79 Prozent verlangen mobil-optimierte Stellenanzeigen und 40 Prozent fordern verkürzte Bewerbungswege durch das einfache Zusenden eines Profils aus einem Business-Netzwerk. Entsprechen Unternehmen diesen Wünschen, belohnen Kandidaten sie mit positiven Bewertungen, die zu einem starken Arbeitgeberimage beitragen. Diese werden als „innovativ“, „modern und „dynamisch“ gesehen. Konnotationen, die gerade in der Technologie-Branche von großem Interesse sein sollte.

Zusammenfassend noch einmal die wichtigsten Ergebnisse zum Mobile Recruiting im deutschen Mittelstand:

  • Lediglich 7,7 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben ihre Karrierewebseite und Stellenanzeigen für mobile Endgeräte optimiert.
  • Über 2/3 der Unternehmen haben in Zukunft nicht vor, sich im Mobile Recruiting besser aufzustellen.
  • 55 Prozent der befragten KMU wissen nicht, ob ihre Stellenanzeigen in den Mobile-Apps der Stellenbörsen angezeigt werden.
  • 43 Prozent der Generation Y nutzen Smartphones zur Jobsuche, 20 Prozent Tablets.
  • 97 Prozent von ihnen sind davon überzeugt, dass Mobile Recruiting in Zukunft eine große Rolle im Bewerbungsprozess spielen wird.
  • 53 Prozent würden sich mobil bewerben, wenn die Möglichkeiten dazu besser wären.

Eines ist klar: Mobile Recruiting ist kein einfacher Hype, der nach kurzer Zeit wieder verpuffen wird. Smartphones und Tablets bestimmten unser Leben bereits jetzt zu einem Höchstmaß. Für künftige Generationen wird es immer selbstverständlicher, auch eine Bewerbung nur über mobile Endgeräte abzuwickeln. Mittelständische Unternehmen sollten sich also frühzeitig rechtzeitig darauf einstellen.

Autor: M. Fett

Quellen:
Bewerberstudie Generation Mobil
CHRIS/ Monster: Recruiting Trends im Mittelstand 2015