Kaum eine Woche vergeht ohne eine Meldung über fehlende, fähige Arbeitskräfte. Immer mehr Branchen suchen händeringend nach qualifiziertem Fachpersonal. Ob im Handwerk, in der industriellen Produktion oder im Gesundheitswesen: Fehlende Investitionen auf der einen, der demographische Wandel auf der anderen Seite und die zunehmende Tendenz zur „Akademisierung“ werden zum ernsten Existenzproblem.

In Zeiten zunehmender Transparenz von Unternehmen und sich wandelnden Wertesystemen muss sich ernsthaft die Frage gestellt werden, welche konkreten Bemühungen von Seiten der Unternehmen noch unternommen werden können, um die eigene Zukunft nachhaltig zu sichern. Monetäre Anreize alleine reichen längst nicht mehr aus. Es ist im Wesentlichen die Gesamtheit des Menschen hinter meinem Mitarbeiter, die zu beachten ist. Welche Tätigkeit führt er aus, was erfüllt ihn und wie geht es ihm eigentlich privat? Kurz: Was kann ich tun, um seinen Vorstellungen entgegen zu kommen, ohne ein Wunschkonzert aufzumachen, in das die gesamte Belegschaft freudig einstimmt?

„Mitarbeiterbindung: Jemand, der für Geld bleibt, der geht auch für Geld.“

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Marquardt+Compagnie stellen in diesem Artikel einen konstruktiven Lösungsansatz vor, der nicht nur mit relativ geringen Kosten zu finanzieren ist, sondern auch mittel- und vor allem langfristig eine echte Möglichkeit darstellt, gesunde und motivierte Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden.

Mitarbeitergesundheit durch Identifikation?

In den Debatten und Diskussionen um die Themen Markenentwicklung und -etablierung, Marktpositionierung oder Digitalisierung wird häufig vergessen, dass viele Arbeitnehmer mit Begriffen wie Markenstärke, Employer Branding, Multi-Channel-Marketing oder Unternehmenskommunikation wenig bis gar nichts anfangen können. Brauchen sie auch nicht. Viel entscheidender ist, dass die Führungskultur diese Begriffe kennt. Und, dass die Führungskultur sie vorlebt. Oftmals vergessen Führungsverantwortliche ihre kommunikative Verantwortung. Sinn, Wert und Notwendigkeit einer starken Marke muss „nach unten“ kommuniziert werden. Fast schon selbstverständlich wird davon ausgegangen, die firmeninterne Philosophie sei bekannt. Die eigenen Arbeitnehmer wissen, warum sie hier arbeiten wollen. Leider hat diese Vorstellung mit der Realität mittelständischer Unternehmen nur selten etwas gemein. Das Wissen um den Wert einer ehrlichen Unternehmensidentifikation konzentriert sich eher auf Spitzenkonzerne wie Google, VW oder BMW, die ihren Markenkern fast schon gebetsmühlenartig verankern und gekonnt in Szene setzen.

„Wenn es Personaler versäumen, ihren Mitarbeitern den Wert der Unternehmensmarke und der Firmenphilosophie, der Corporate Identity zu verdeutlichen: Was sollte sie im Unternehmen halten? Wenn irgendwo mehr Geld oder ein anderer Vorteil geboten werden, sind sie weg“.

Oliver Marquardt, Geschäftsführer der Markenberatungsfirma Marquardt+Compagnie kritisiert schon lange den Tunnelblick, den viele Führungsverantwortliche an den Tag legen. „In den meisten Köpfen ist noch immer die Vorstellung verankert, dass die eigenen Mitarbeiter sich schon wohl fühlen werden und durch Geld entsprechende Motivation erfahren. Die aktuellen Probleme im Zusammenhang mit fehlenden Fachkräften zeigt, dass dies nicht so ist.“ Das Bewusstsein für die emotionalen Werte fehlt. Wiederholt macht er in seinen Artikeln und Kommentaren auf die immense Bedeutung eines bewussten und authentisch gelebten Markenkerns aufmerksam: Starke Marken haben einen riesigen strategischen Vorteil im Rennen um die fähigsten Köpfe. Wenn sich Talente entscheiden sollen, ob sie im unbekannten Unternehmen A ohne sonderliches Markenbewusstsein, mit instabilen Werten und nachlässigen Arbeitsbedingungen arbeiten möchten oder aber in einem bekannten Unternehmen B, welches seine Identität klar verkörpert, dessen Leitlinien deutlich im unternehmerischen Handeln und im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden zu erkennen sind.

„Es ist wesentlich wirkungsvoller die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten, als sie wiederherzustellen.“

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Was bedeutet eigentlich „starke Marke sein“, wenn es nicht mehr als „Marketing-Gerede“ ist? Genau das ist die Aufgabe von Führungskräften. Sie müssen es nach unten vorleben und kommunizieren. Und das ist einfacher als man denkt.

Mitarbeitergesundheit als Employer Branding Strategie

Jeder Mensch freut sich, wenn man ihm mit Wertschätzung und Respekt entgegen tritt. Bereits kleine Aufmerksamkeiten können große Wirkungen erzielen. Die Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden des eigenen Personals ist ebenso Führungsaufgabe wie die oben beschriebene Kommunikation der Corporate Identity. Nachhaltig motivierte und gesunde Mitarbeiter sind leistungsfähiger, produktiver und bringen ihre Ideen häufiger ein. Dass das Führungsverhalten einen Einfluss auf die Gesundheit der Belegschaft hat, ist mittlerweile in zahlreichen Studien belegt worden (vgl. hier) . Mit Konzepten zur „gesunden Führung“ oder neuen Umsetzungsideen zur Work-Life-Balance finden sich immer häufiger konkrete Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements in den Betrieben wieder. In vielen Fällen mögen eher der Erhalt von Produktivität und daraus resultierende geringere Krankenbestände die obersten Ziele von Seiten der Firmenleitung sein. Oftmals unerkannt bleibt der „passive“ Beitrag, der sich ergibt, wenn Arbeitnehmer ihr Unternehmen als gesundheitsförderlich wahrnehmen.

„Mitarbeiter, die sich ernst genommen fühlen und spüren, dass ihrem Arbeitgeber tatsächlich etwas an ihrer Gesundheit liegt – und zwar unabhängig vom Leistungsfaktor – schätzen ihren Betrieb als ehrlicher und fairer ein. Das wirkt natürlich auch auf ihre Unternehmensbindung.“ Oliver Marquardt

Die Wahrnehmung als gesundheitsbewusstes und –förderndes Unternehmen ist eine lange Zeit unterschätze Employer Branding Maßnahme. Der Erhalt der sogenannten Employability entpuppt sich als wirkungsvolles Instrument im Kampf gegen den demographischen Wandel. Gesundheitsmaßnahmen helfen, Fachkräfte zu gewinnen und Arbeitskräfte zu erhalten. Es ist nicht immer das größte Gehalt, das entscheidet. Nicht ohne Grund glauben zwei Drittel der hier ansässigen Unternehmen, mehr für die Gesundheit ihrer Belegschaft zu tun müssen.

Auch wir werden ab sofort dieses wichtige Thema wieder näher beleuchten und verschiedene Maßnahmen vorstellen. Mitarbeitergesundheit ist ein wichtiges Gut, das erhalten und gestärkt werden muss.