Als ich vergangenen Donnerstag die Sendung Scobel zum Thema Verantwortung verfolgte, musste ich unweigerlich an Wirtschaftsethik denken. Ethik im Marketing. Moral in der Werbung. Klingt für viele lächerlich. Wohl die wenigsten Kunden würden der Werbebranche eine weiße Weste bescheinigen. Diese Wahrnehmung ist verständlich, macht mich auf der anderen Seite aber auch nachdenklich. Und wütend. Denkt man zurück, wurde Werbung doch einst dafür entwickelt, um Konsumenten den Zugang zu Angeboten einfacher zu machen. Es ging darum, sie für sich zu gewinnen. Und jetzt? Jetzt wird manipuliert was das Zeug hält. Wertesysteme orientieren sich nahezu ausschließlich an Profit. Die Menschen dahinter sind zu austauschbaren Verbrauchern degradiert. Viel ist dem globalisierten und kapitalfixierten Markt geschuldet. Die Bandagen sind härter geworden. Im Ringen um Marktanteile gehen Menschlichkeit und Moral verloren, weil sie für Unternehmen als Ballast erscheinen. Ein fataler Denkfehler.

Ethische Werte als Ballast?

Dabei geht es auch anders. Und das ist kein Luxus, sondern bares Geld wert. Der oft belächelte „grüne“ Gedanke, der überflüssig sozial anmutende Gedanke des Humanismus trägt neue Früchte. Jene, die sich trauen, die Mut beweisen und offen zu ihren Werten und ethischen Prinzipien stehen, werden belohnt. Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit sind der neue KPI. Marketing darf nicht in erster Linie einem dicken Portmonee dienen, sondern muss sich am Menschen orientieren, um ihn für sich und seine Produkte zu gewinnen. Dann kommt das dicke Portmonee von ganz alleine. Und überhaupt, wie dick muss es sein? Ertrag zu erwirtschaften ist das Ziel jedes Unternehmens. Das ist klar. Aber dazu braucht es kein kompromissloses Profitstreben, sondern nachhaltige Konzepte. Familienunternehmen sind Shareholder-Strukturen dabei weit vorraus. Sie zeigen immer wieder, dass es auch nachhaltig und mit gutem Kaufmannstum geht. Sogar häufig besser, als andersrum.

Amazon-Image

Der Kostenfaktor wirtschaftsethischen Verhaltens

Wirtschaftsethik und Werbung sind keine Gegensätze, sondern positiver Multiplikator! Will man betriebswirtschaftliche Argumente beleuchtet man das Image. Image ist maßgeblicher Entscheidungsfaktor. Und es ist fragil, in Zeiten der Vernetzung und Echtzeitkommunikation umso mehr. Es dauert lange im Aufbau und ist schnell beschädigt. Der BrandIndex von Amazon stürzte 2013 nach einer Reportage über die Arbeitsbedingungen um über 50% in die Tiefe. Der Wert des Unternehmens verlor im gleichen Zeitraum über 10%. Reparaturen am Image sind vielschichtig kostspielig. Weniger Kunden, weniger Umsatz und dazu die Kosten für eine Imagekampagne oder Qualitätsoffensive, wie aktuell die Bahn. Hier auch eine interessante Geschichte dazu. Notwendige Investitionen in ganzheitliche faire Qualität und wertorientierte Kommunikation machen sich also mehr als bezahlt.

Warum Wirtschaftsethik heute mehr denn je funktioniert!

„Moderne Kunden erwarten mehr und mehr ganzheitliche Qualität. Die vernetzte Konsument merkt sofort wenn er getäuscht wird. Und das bewertet er öffentlich. Imagereparaturen sind teuer. Genau deshalb funktioniert Wirtschaftsethik auch im 21. Jahrhundert!“ Oliver Marquardt

Einer der meist gelesenen Artikel der vergangenen Monate in unserem Blog ist mein Beitrag „Warum Wirtschaftsethik funktioniert“. Daran erkennt man das Interesse, aber auch die Relevanz dieses Themas. Überall vernimmt man diesen leisen Hauch von Rückbesinnung, aber so richtig durchzusetzen vermag sich keiner. „Greenwashing“ und wohlklingende CSR-Richtlinien zählen oft noch mehr als belastbarer Inhalt und wahrer Wertewandel. Viele fühlen, dass wir nicht so weitermachen können. Warum dann diese Trägheit? Haben wir so viel Angst, unser Gesicht, Prestige und Geld zu verlieren, wenn wir uns auf Werte, Moral und Ethik berufen? Scheinbar. Das ist skurril. Denn wenn wir die Menschen und ihre Bedürfnisse auf Augenhöhe zu unseren eigenen stellen beginnt ein Kreislauf von Wertschätzung und Wertschöpfung. Spiegelt sich in sozialen und nachhaltigskeitsorientierten Kaufmotivationen, wie z.B. Fairtrade-Produkten oder Bio-Nahrung deutlich wieder. Für verlässliche Qualität (besonders im b2b) bis zum Gefühl, mit seinem Kauf etwas Gutes getan zu haben, wirkt sich ethisches Verhalten seitens des Anbieters positiv auf das eigene Image und die Bilanz aus. Ethisches Verhalten funktioniert aber nicht nur im Geschäft, sondern auch mit den eigenen Mitarbeitern. Win-win-win.

Wirtschaftsethik ist nicht nur tragbar, sondern günstig und lukrativ

Eines der besten Beispiele, dass Wirtschaftsethik auch heute noch, oder vielmehr gerade heute Erfolg bringt, ist das von allen Seiten gelobte und gehypte Content Marketing. Ich behaupte, Content Marketing funktioniert vor allem deshalb, weil es die Kunden spüren lässt, dass sie wieder ernst genommen werden und eben nicht nach allen Regeln der Kunst an der Nase herum geführt werden. Es funktioniert, weil es Kunden als Menschen (wert)schätzt, ihre Bedürfnisse erfüllt und eben nicht das schnelle Geld als oberste Maxime ansieht. Der Mensch von heute ist oft verängstigt, desillusioniert und auf der Suche nach Halt. Nachhaltiges Content Marketing wirkt dem entgegen. Es ist ehrlich, glaubwürdig und hilfreich – mehr verlangen Kunden doch gar nicht. Und weniger haben sie unserer Meinung nach auch nicht verdient! Was ist denn ein besseres Aushängeschild für die Qualität einer Marke als zufriedene Stammkunden? Geld kann ebenso schnell verschwinden, wie es gekommen ist. Überzeugte Kunden, die gerade aufgrund ehrlicher, gelebter Werte einer Marke die Treue halten, bleiben. Ein schönes Beispiel ist in meinen Augen die Marke „Erdal“ von Werner & Mertz.

„Marketing muss sich am Menschen orientieren. Dieser Satz ist keine Theorie von Schöngeistern, sondern bedeutet bares Geld. Unternehmen, die den Mut beweisen, ethisches Verhalten und entsprechend wertebasierte Kommunikation zu etablieren, werden dafür belohnt.“ Oliver Marquardt

Das ist es, wofür wir stehen. Für ehrliche Werte, transparente Strategien und wertebasierte Kommunikation. Wirtschaftsethik ist kein Ballast, sie ist beflügelnd.

Autor: OM & MF